Effi Elfriede Briest

Maus war vor einigen Jahren auf Reisen in Neuruppin. Da saß ein Mann recht lässig auf einer Bank, beides-Mann und Bank- aus Bronze. Dazu gab es in der Nähe die Fontane- Apotheke. Dies alles und ein Buch aus der Schulzeit fielen Maus in diesem Jahr ein, als die Jugendgruppe die Aufführung von „Effi Elfriede Briest“ ankündigte. Grübel….auch ausgezeichnete Filme gab es schon mit diesem Namen.

„Effi Briest“ war zu keiner Zeit leichte Kost, Theodor Fontane hat die Menschen seiner Zeit genau beobachtet und beschrieben.

Maus beschloss, nicht nachzuschlagen, hatte auch nicht in die Proben geschmult und saß sehr erwartungsvoll in der Premierenvorstellung. Seitdem sind einige Wochen vergangen, Maus hatte die Theaterkritik aus Gründen nicht sofort geschrieben, nun tauchten beim Blick in die Notizen der Premierenvorstellung sehr viele Gedanken auf:

Vorweg: Die schauspielerische Leistung der Jugendgruppe unter Regie von Claudia Stange war einfach großartig und ihre Darstellung der Persönlichkeiten des Stückes, teilweise in Doppelrollen, im Schattenspiel, auch in Zeitverschiebungen für mich als Zuschauerin eindringlich, tiefgründig und überaus bewegend. Das Stück berührte so viele eigene Gedanken und Gefühle, dass Vieles erst im Laufe der Zeit geordnet werden konnte.

Dieses Theaterstück holt menschliche Konflikte zeitunabhängig ans Licht. Dabei erscheinen die agierenden Menschen so klug und vernünftig, so bemüht, alles richtig zu machen.

Aber: Was ist „richtig“?

Die jugendliche Effi, die in den Zwiespalt zwischen jugendlichen Träumen und Wünschen, die noch nicht ganz ausgereift sind, und den heute unglaublich scheinenden Forderungen ihrer Eltern und Selbstverständlichkeiten ihrer Zeit geworfen wird, wühlt uns auf. Kann und soll sie auf ihre eigenen Gefühle hören oder die vernünftig liebevollen Entscheidungen der Eltern akzeptieren? Wie sehen diese Menschen einander? Was ist wichtig und für wen? Welche Rolle spielen Liebe, Glück, materielle Sicherheit, Macht? Wird sich Effi durchsetzen? Wer lebt sein eigenes Leben, wer spielt eine Rolle? Hat man eine Wahl, geht man neue Wege?

Es ist alles schon vergangen, aber wir dürfen mit der reifen Frau zurückblicken auf ihr Leben dank dieser Aufführung: Besonders interessant sind in der Darstellung der altersmäßig unterschiedlichen „Effis“ und ihrer Mitmenschen. Wir begegnen der Titelfigur in ihrer Entwicklung, dürfen sie kennen lernen, begreifen zunehmend ihre Zerrissenheit und Tragik. Dürfen wir sie verurteilen, wegen ihrer Fehler, die sie freimütig bekennt? Wollen wir das? Hält sie uns hier und da einen Spiegel vor? Dürfen und wollen wir ihre Mitmenschen bewerten? Anschauenswert sind diese Persönlichkeiten und ihre Lebensmaximen auf jeden Fall.

Der Theatergruppe gelingt hier ein nicht alltägliches Stück, das es verdient am 7. 11. 2026 zum langen Theatersamstag von ganz vielen Zuschauern gesehen zu werden.

Das wünscht sich die Theatermaus SINE

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